Rundbrief

Liebe Freunde der Bolivienmission,

Padre Claus Braun CP4BT
soeben ertönt die Hupe eines Busses auf unserem Dorfplatz. Seit etwa einem halben Jahr gehört der Transport von Passagieren auf der LKW Ladefläche der Vergangenheit an. Fast an allen Werktagen gibt es nun Busverbindungen ins 200 Kilometer entfernte Uyuni wie auch einige Male nach Tupiza, von wo aus man dann bequem mit modernen Reisebussen auf Asphaltstraßen nach La Paz und in andere Großstädte fahren kann. In meinem riesigen Pfarrgebiet gibt es allerdings noch keine Asphaltstraßen, weshalb die Busunternehmen den drei bis vierfachen Fahrpreis aus unseren Dörfern heraus im Vergleich zu einer ähnlich weiten Strecke auf Asphalt verlangen. Die Leute scheint es nicht zu stören. Die Löhne im Land sind gestiegen. Unsere Lehrer beispielsweise verdienen nun doch im Schnitt ihre 500 Euros im Monat, unsere Ärzte im Dorf nahezu eintausend Euros. Allerdings ist die Landeswährung künstlich sehr stark gehalten, was für unsere Spenden den Nachteil mit sich bringt, dass wir sehr wenig Landeswährung beim Wechseln des Euros bekommen. Aber trotz alledem konnte ich auch in diesem Jahr wieder einige Projekte für die Ärmsten meistern.

Fast an allen Werktagen gibt es nun Busverbindungen ins 200 Kilometer entfernte Uyuni
Fast an allen Werktagen gibt es nun Busverbindungen ins 200 Kilometer entfernte Uyuni
Im Nachbardorf Guadalupe sah ich bei den Gottesdiensten immer einige ganz alte Hochlandfrauen, die sich trotz Gehstock in der Hand in der Kirche niederknieten und den Boden küssten. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich fragte sie, ob sie sich denn jeden Tag ein Mittagessen machen können, worauf sie mir antworteten, dass es mehr ein mageres Süppchen sei und die Tochter käme auch nur hin und wieder mit einem kräftigeren Mahl. Da kam mir die Idee, eine Speisung für die älteren und gebrechlichen Leute in die Wege zu leiten. Das Dorf war begeistert von diesem Projekt und versprach, als Gegenleistung die Köchin zu stellen. Das lief zu Anfang sehr gut und ich konnte mir selbst bei meinen vielen Besuchen ein Bild davon machen, dass ein wirklich schmackhaftes Mittagessen gereicht wurde, denn ich speiste mit den älteren Herrschaften. Wir konnten später sogar neben dem Mittagessen noch ein Frühstück reichen. Einige Monate lief alles perfekt. Dann hörte ich Klagen, dass es an einem oder anderen Tag kein Mittagessen gab. Die Köchinnen hätten aufs Feld zu den Lamas gehen müssen. Eine andere Köchin war verreist. Es kamen immer mehr Ausreden, sodass ich schließlich in einer Versammlung ein Machtwort sprach. Das Projekt musste leider eingestellt werden, da das Dorf nicht in der Lage war, die Köchinnen zu stellen. Es war von  meiner Seite aus gut gemeint, aber wenn das Dorf nicht mitspielt, kann man eben nichts machen. So kehrte ich zu einem bewährten Projekt zurück und unterstützte in zwei anderen Dörfern die Grundschülerinnen und Grundschüler wieder mit Lebensmittel für die Schulspeisung. Nicht zu vergessen bei all den Projekten sind die Ausgaben für Benzin und die immer wieder anfallenden Reparaturen am Geländewagen.

Ich persönlich kann seit Kurzem auf eine Kaffeemaschine zurückgreifen, die ich in Oruro erstanden habe. Chinesisches Produkt, funktioniert aber prima. Es ist ein herrliches Gefühl, am Morgen auf Eduscho oder Jacobs Krönung zurückgreifen zu können und im Gang der Missionsstation schon den Kaffeeduft zu spüren. Wer ein Kaffeepäckchen zu viel zu Hause hat, möge sich keine Sorgen machen. Hier in San Pablo de Lipez wartet ein Abnehmer. Adresse siehe oben, Päckchen kommen ohne Probleme an.
persönlich kann seit Kurzem auf eine Kaffeemaschine zurückgreifen
persönlich kann seit Kurzem auf eine Kaffeemaschine zurückgreifen
In einem weiteren Dorf konnte ich im Laufe des Jahres eine Funkanlage installieren für die Kommunikation in andere Dörfer. Obwohl der Handybetrieb immer weiter voranschreitet, ist der Funk immer noch eine wichtige Kommunikationsmöglichkeit, denn nicht überall funktionieren die Handyantennen.

Auch in diesem Jahr konnte ich natürlich wieder viele Besuche in meinen 23 Andendörfern machen. Die Straßen sind allerdings mitunter in einem doch miserablen Zustand. Bis zu 10 Zentimeter hohe Wellen haben sich durch den doch rasant zunehmenden Verkehr auf den Erdpisten gebildet, die man gerade noch so mit einer erhöhten Geschwindigkeit von 70 km nehmen kann. Mit 30 oder 40 km wäre das Gehoppel unerträglich. Unsere Bürgermeisterämter haben kein Geld, um die Straßen herrichten zu lassen. Einige ganz wenige Strecken wurden notdürftig mit einer Planierraupe etwas begradigt, aber auch da bilden sich nach einem Monat schon wieder diese Wellen. So ist es für mich bei all den Problemen der Fahrt immer wieder eine Freude, wenn ich in den Dörfern eintreffe und meine Leute mich erwarten und die Kleinen auf mich zuspringen und mich umarmen. Besonders die Katechese mit den Grundschülern mache ich sehr, sehr gerne. In einfachen Worten erkläre ich das Evangelium, und dann dürfen sie etwas dazu zeichnen. Dank Internet habe ich zu vielen biblischen Szenen Skizzen herunterladen können.
Die Grundschüler dürfen die biblischen Szenen dann anmalen
Die Grundschüler dürfen die biblischen Szenen dann anmalen
Die Grundschüler dürfen sie dann anmalen. Das machen sie mit sehr viel Freunde. Die etwas Älteren bekommen einige Fragen für ihr Heft oder schreiben einen kleinen Aufsatz zum Evangelium. In Esmoruco, meinem zweiten Missionssitz, kommen schon morgens vor dem Schulunterricht die Kleinsten und fragen, ob Messe sei, ob sie zeichnen dürfen oder ob ein Film gezeigt werde. Natürlich wollen sie auch wissen, obs am Ende des Gottesdienstes wieder Süßigkeiten gäbe. Übrigens, wenn Ihr mal ein Päckchen mit den ganz kleinen Ritter Sport Schokoladentafeln schicken möchtet, die Kleinen freuen sich riesig darüber, denn Schokolade können sich viele Kinder nicht leisten. 

Übrigens, wenn Ihr mal ein Päckchen mit den ganz kleinen Ritter Sport Schokoladentafeln schicken möchtet, die Kleinen freuen sich riesig darüber, denn Schokolade können sich viele Kinder nicht leisten.
So sollte ein Schokoladenpäckchen gepackt werden
 Ich bin froh, dass ich in fast jedem Dorf auch willige Lehrer habe, die mir mithelfen und an meiner Art der Katechese sehr interessiert sind, denn Vieles, was für die Kleinsten gedacht ist, scheint auch für die Lehrerinnen und Lehrer neu zu sein und so werden meine Themen dann meist in einer Schulstunde noch einmal aufgegriffen. Hier in San Pablo hat mein Katechet die Technik voll eingesetzt. Er hat sich im Internet die Lieder für die Messe heruntergeladen und lässt sie mit Hilfe eines Laptops in der Kirche über die Lautsprecher ertönen. Die Gemeinde sollte eigentlich mitsingen, aber sie ist noch hingerissen von der Gitarrenmusik und den Sängern und hört noch mehr zu.
In dieser adventlichen - weihnachtlichen Zeit wollen wir wieder mehr auf das Wort Gottes hören und es verinnerlichen. So wünsche ich Euch allen eine frohe, gesegnete Weihnachtszeit und alles erdenklich Gute für das neue Jahr.

Ganz herzlich danke ich Euch für die wieder zahlreich eingetroffenen Spenden und bitte Euch auch weiterhin um Euer Gebet für unsere Mission unter den Ärmsten der Armen.
In Dankbarkeit grüßt Euch

P. Claus Braun
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