Samstag, 3. Oktober 2026

Gefährliche Arbeiten

Wie uns ein Sturm, eine wackelige Leiter und ein mutiger Baumeister wieder zu Strom verhalfen.

Manchmal sind es nicht die großen Projekte, die einen Tag prägen, sondern die kleinen, unvorhergesehenen Probleme – und die Menschen, die einem helfen, sie zu lösen. Von genauso einem Tag möchte ich heute erzählen.

Die Fehlersuche beim Pfarrhaus und an der Kirche. Der Anschluss vom Energieversorger war in Ordnung
Fehlersuche beim Pfarrhaus und an der Kirche. Der Anschluss vom Energieversorger war in Ordnung

Nach dem Sturm: Immer wieder Stromausfall

Seit dem heftigen Sturm vorgestern ist bei uns nichts mehr, wie es sein sollte. Mehrmals fiel der Strom aus – nicht nur in meinem Haus, sondern auch in der Kirche. Mal flackerte das Licht nur kurz, mal blieb es länger dunkel. Für mich war schnell klar: Irgendwo muss sich durch den Wind ein Kabel gelöst haben oder beschädigt worden sein. Doch die entscheidende Frage war: Wo?

Ihr kennt das der Fehler liegt immer an der ungünstigsten Stelle
Ihr kennt das der Fehler liegt immer an der ungünstigsten Stelle

Auf Fehlersuche

Zusammen mit einem Dorfbewohner machte ich mich auf die Suche nach der Ursache. Wir begannen dort, wo der Strom ins Haus kommt: bei der Zuleitung von der staatlichen Stromversorgung zum Zähler. Eigentlich gingen wir davon aus, dass hier alles in Ordnung sein dürfte. Doch sicher ist sicher – also überprüften wir die Leitung ganz pragmatisch mit einer einfachen Glühbirne. Sie leuchtete, und damit war dieser Teil der Leitung als Fehlerquelle ausgeschlossen.

Blieb also nur noch eine Möglichkeit: Der Fehler musste weiter oben liegen. Und so ging es danach hoch hinauf – auf den Turm.

Da niemand der neuen Leiter aus Brasilien traute benutzen wir sie nur als Hilfsfestpunkt
Da niemand der neuen Leiter aus Brasilien traute benutzen wir sie nur als Hilfsfestpunkt

Eine Leiter mit Bauch

Für diesen Einsatz musste unsere neue Leiter herhalten: ein 8 Meter hohes, zusammenklappbares Modell, hergestellt in Brasilien. Auf dem Papier klang das gut. In der Praxis machte sie mir allerdings alles andere als einen stabilen Eindruck. Ausgerechnet genau in der Mitte hatte sie einen deutlichen Bauch – nicht gerade das, was man sich wünscht, wenn man in mehreren Metern Höhe arbeiten will.

Auf Sicherheit wird in diesen Ländern leider nicht besonders geachtet. Normen, Prüfsiegel und Vorschriften, wie wir sie aus Europa kennen, spielen hier im Alltag kaum eine Rolle. Der deutsche TÜV hätte beim Anblick dieser Leiter vermutlich nur den Kopf geschüttelt – und sie bestimmt nicht freigegeben. Doch wir hatten keine andere, und das Problem musste gelöst werden.

Die rettende Idee von Don Santos

Zum Glück hatte unser Baumeister, Don Santos, eine Idee. Statt die ganze Leiter hinaufzuklettern, wollte er aus dem Fenster am Turm steigen. Von dort aus müsse er sich nur mit einem Fuß oben auf der Leiter abstützen – und könne so die defekte Stelle am Kabel erreichen. Eine Lösung, die Mut, Geschick und ein gutes Gleichgewicht erforderte.

Gesagt, getan: Don Santos kletterte hinaus, fand Halt auf der Leiter und machte sich an die Arbeit. Ich gebe zu, dass ich beim Zuschauen den Atem angehalten habe. Doch tatsächlich – er erreichte die Stelle, entdeckte das brüchige Stück Kabel und wechselte es aus.

Dankbar für helfende Hände

Ohne Don Santos wären wir an diesem Tag ziemlich aufgeschmissen gewesen. Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie wichtig die Menschen hier vor Ort sind: ihr Erfindungsreichtum, ihre Erfahrung und ihre Bereitschaft, mit anzupacken – auch wenn die Bedingungen alles andere als ideal sind. Ein herzliches Dankeschön an Don Santos und an den Dorfbewohner, der mir bei der Fehlersuche zur Seite stand!

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P. Claus Braun

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Dienstag, 29. September 2026

DIE PROPHETISCHE STIMME BOLIVIENS

Ein Hirte mit Herz und Klarheit

Vor wenigen Tagen ist der Erzbischof von Sucre, Mons. Ricardo Centellas, im Alter von nur 63 Jahren überraschend verstorben. Sein Tod bewegt viele Menschen in Bolivien – besonders jene, die ihn als Weihbischof und später leitenden Bischof der Diözese Potosí erlebt haben. Für uns im Süden Boliviens war er nicht nur ein Kirchenmann, sondern ein nahbarer Begleiter, ein Bruder im Glauben und eine prophetische Stimme, die sich mutig für die Ärmsten erhob.

Nähe  Volk – Erinnerungen aus Esmoruco

Mons. Ricardo war ein Mann ohne Allüren.

Ich erinnere mich lebhaft an seine Besuche hier in Esmoruco:

Nach einem Firmgottesdienst setzte er sich einfach zu den Leuten, trank Tee, lachte, hörte zu und sprach über Gott und die Welt. Diese Abende hatten eine besondere Wärme – ein Bischof, der nicht über den Menschen stand, sondern mitten unter ihnen lebte. Ein weiteres Bild bleibt unvergessen:

Bei der Einweihung einer Schule im Andendorf Río Mojón waren wir so ins Gespräch vertieft, dass er plötzlich auf die Uhr sah und sagte:

„Du, wir müssen noch nach Tupiza fahren.“

Fünf Stunden Fahrt lagen vor uns – fünf Stunden voller Erzählungen, Lachen, Nachdenken und echter brüderlicher Verbundenheit.

Die prophetische Stimme im öffentlichen Leben

Doch Mons. Ricardo war nicht nur ein guter Zuhörer.

Er war ein Mahner, ein Wegweiser, ein Prophet im besten Sinn des Wortes.

Immer wieder erhob er im Fernsehen seine Stimme, wenn politische Entscheidungen getroffen wurden, die den Ärmsten schadeten.

Er sprach klar, ohne Angst, ohne Rücksicht auf mögliche Kritik.

Seine Worte waren ein Ruf nach Gerechtigkeit, Dialog und Verantwortung – ein Ruf, der weit über kirchliche Grenzen hinaus Gehör fand.

Diese prophetische Stimme ist nun verstummt.

Doch ihr Echo bleibt.

Ein Leben für Gott und die Menschen

Mons. Ricardo war ein Hirte, der die Menschen kannte – nicht aus Berichten, sondern aus Begegnungen.

Er war ein Bischof, der die Realität der Anden, die Härte des Altiplano und die Sorgen der Familien verstand.

Sein Einsatz galt stets denjenigen, die wenig hatten, aber viel Hoffnung brauchten.

Gebet und Hoffnung

Wir beten, dass Mons. Ricardo nun vor seinem Schöpfer stehen darf –
und dass ER ihn reich belohnt für seinen treuen Dienst, seine Klarheit, seine Nähe und seinen Mut. Möge seine Stimme weiterklingen in uns, die wir seinen Weg ein Stück mitgehen durften.

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P. Claus Braun
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Samstag, 29. August 2026

Meine Missionsstation

 

Meine Missionsstation

Aus San Antonio de Esmoruco, hoch oben im südlichen Altiplano, sende ich Euch herzliche Grüße.

Jetzt eine Vorstellung in Bildern und Sprache: 

Ich will Euch auch gleich eine Frage beantworten es wurde nicht mit der Ki erzeugt. Es waren drei Stunden harte Arbeit! Eine Version in spanischer Sprache erhalten Sie auf Anfrage über WhatsApp zugesendet. Sie können auch meinem WhatsApp Kanal beitreten.

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P. Claus Braun

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