🌿 Asche aus Girlanden: Wenn der Jubel zur Stille wird
Der Karneval in Bolivien ist eine Explosion der Sinne. Wer ihn einmal erlebt hat – das Donnern der Trommeln in Oruro, das Glitzern der Kostüme der Diablada und das bunte Meer aus tanzenden Menschen –, der weiß, wie sehr dieses Land das Leben feiert. Es ist eine Zeit, in der die Freude keine Grenzen kennt. Doch heute, am Aschermittwoch, ist alles anders. Ein tiefer Atemzug geht durch das Land. Der Lärm verstummt, und eine heilige Stille legt sich über unsere Gemeinde.
Der bittersüße Abschied vom Fest
In diesen Tagen haben wir ein besonderes Ritual vollzogen, das mich jedes Jahr aufs Neue tief berührt. Wir sind vor die Kirche getreten, nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit den Überresten der vergangenen Tage. Wir haben die Fasnetsgirlanden – jene bunten Papierschlangen und Dekorationen, die eben noch die Freude symbolisierten – gesammelt und gemeinsam verbrannt.
Es ist ein fast meditativer Moment, wenn das Feuer die leuchtenden Farben verzehrt. In der aufsteigenden Glut sehen wir, wie vergänglich unsere irdischen Feste sind. Was eben noch den Raum schmückte, wird zu feiner, grauer Asche. Es ist eine Erinnerung für uns alle: Nichts Materielles hat Bestand.
Das Kreuz aus dem Staub der Straße
Später, in der feierlichen Liturgie, habe ich diese Asche gesegnet. Es ist genau dieser Staub, der nun eine neue, heilige Bedeutung bekommt. Die Gläubigen traten vor mich, und ich zeichnete jedem von ihnen ein Kreuz auf die Stirn.
Dabei sprach ich die Worte, die das Fundament unserer Umkehr bilden:
„Bekehre dich und glaube an das Evangelium.“
In diesem Moment wird die Verbindung zwischen dem Gestern und dem Morgen deutlich. Das Kreuz aus Asche erinnert uns daran, dass wir aus Staub sind und zum Staub zurückkehren werden. Aber es ist kein Kreuz der Hoffnungslosigkeit. Es ist ein Ruf zur Freiheit: Wir müssen nicht an den „Girlanden“ des Lebens festhalten, die ohnehin verblassen. Wir dürfen unseren Blick auf das richten, was bleibt – auf das ewige Leben und die Liebe Gottes.
"Ein kleines Zeichen mit großer Bedeutung. Der unglaubliche Andrang auf die Asche zeigt, wie wichtig unseren Leuten diese Tradition am eigenen Haus ist. Zusammen stark in die Fastenzeit!"
Ein neuer Weg beginnt
Der Aschermittwoch ist für uns hier in Bolivien nicht einfach nur das Ende einer Party. Er ist der Grenzstein. Wir lassen den äußeren Glanz hinter uns, um in den nächsten 40 Tagen unseren inneren Reichtum zu suchen.
Ich lade euch ein, diesen Weg mit mir zu gehen. Vielleicht gibt es auch in eurem Leben „Girlanden“, die zwar bunt aussehen, euch aber vom Wesentlichen ablenken? Die Fastenzeit schenkt uns die Chance, aufzuräumen, uns zu bekehren und neu zu glauben.
Ich wünsche euch eine gesegnete, nachdenkliche und gnadenreiche Fastenzeit. Möge die Stille dieses Tages eure Herzen weit machen für das, was wirklich zählt.
P. Claus Braun
-- For infos, nice stories and fotos have a look at: https://blog.impresiones-de-los-andes.org/










