Ein Hirte mit Herz und Klarheit
Vor wenigen Tagen ist der Erzbischof von Sucre, Mons. Ricardo Centellas, im Alter von nur 63 Jahren überraschend verstorben. Sein Tod bewegt viele Menschen in Bolivien – besonders jene, die ihn als Weihbischof und später leitenden Bischof der Diözese Potosí erlebt haben. Für uns im Süden Boliviens war er nicht nur ein Kirchenmann, sondern ein nahbarer Begleiter, ein Bruder im Glauben und eine prophetische Stimme, die sich mutig für die Ärmsten erhob.
Nähe Volk – Erinnerungen aus Esmoruco
Mons. Ricardo war ein Mann ohne Allüren.
Ich erinnere mich lebhaft an seine Besuche hier in Esmoruco:
Nach einem Firmgottesdienst setzte er sich einfach zu den Leuten, trank Tee, lachte, hörte zu und sprach über Gott und die Welt. Diese Abende hatten eine besondere Wärme – ein Bischof, der nicht über den Menschen stand, sondern mitten unter ihnen lebte. Ein weiteres Bild bleibt unvergessen:
Bei der Einweihung einer Schule im Andendorf Río Mojón waren wir so ins Gespräch vertieft, dass er plötzlich auf die Uhr sah und sagte:
„Du, wir müssen noch nach Tupiza fahren.“
Fünf Stunden Fahrt lagen vor uns – fünf Stunden voller Erzählungen, Lachen, Nachdenken und echter brüderlicher Verbundenheit.
Die prophetische Stimme im öffentlichen Leben
Doch Mons. Ricardo war nicht nur ein guter Zuhörer.
Er war ein Mahner, ein Wegweiser, ein Prophet im besten Sinn des Wortes.
Immer wieder erhob er im Fernsehen seine Stimme, wenn politische Entscheidungen getroffen wurden, die den Ärmsten schadeten.
Er sprach klar, ohne Angst, ohne Rücksicht auf mögliche Kritik.
Seine Worte waren ein Ruf nach Gerechtigkeit, Dialog und Verantwortung – ein Ruf, der weit über kirchliche Grenzen hinaus Gehör fand.
Diese prophetische Stimme ist nun verstummt.
Doch ihr Echo bleibt.
Ein Leben für Gott und die Menschen
Mons. Ricardo war ein Hirte, der die Menschen kannte – nicht aus Berichten, sondern aus Begegnungen.
Er war ein Bischof, der die Realität der Anden, die Härte des Altiplano und die Sorgen der Familien verstand.
Sein Einsatz galt stets denjenigen, die wenig hatten, aber viel Hoffnung brauchten.
Gebet und Hoffnung
Wir beten, dass Mons. Ricardo nun vor seinem Schöpfer stehen darf –
und dass ER ihn reich belohnt für seinen treuen Dienst, seine Klarheit, seine Nähe und seinen Mut. Möge seine Stimme weiterklingen in uns, die wir seinen Weg ein Stück mitgehen durften.
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P. Claus Braun
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