Montag, 15. Juli 2013

Kriegerische Eile

Am Morgen erreichte mich ein Anruf unseres Miltärgeistlichen. Er ist zur Zeit im Städtchen Tupiza. Wohl am späten Nachmittag hätte er Mitfahrgelegenheit nach San Pablo. Da ich mit P. Casimiro, einem polnischen Geistlichen, immer per Funk in Verbindung stehe, freute ich mich auf das Wiedersehen. “Doch würde er wirklich kommen?”, dachte ich mir. Schon mehrmals hatte er Besuche angekündigt und letztendlich traf er nicht ein.

Doch dann gegen 18.00 Uhr der Anruf über Handy. “Ich bin schon in San Pablo, bin drunten beim Militärcamp, werde gleich zur Kirche hochkommen”, so Casimiro. Ich zog mir mal gleich meine Sportschuhe an und machte mich auf den Weg zum Camp. Und siehe an, von Weitem begrüsste mich schon P. Casimiro. Wie immer in Uniform, denn er hat einen hohen militärischen Rang. “Komm, wir gehen auf meine Station hoch” sagte ich. “Oh, wir müssen heute noch nach Quetena weiterfahren”, so Casimiro. Das sind immerhin noch fünf Stunden Fahrt. Casimiro machte sich auf der Lauffläche am Jeep zu schaffen und kramte eine Holzkiste hervor. “ Habe Heiligenbilder dabei, suche Dir einige aus”, so Casimiro. Dann kramte er ganz unten noch einen  Rollkoffer hervor und wühlte darin herum. “ Habe Dir Brot aus Tupiza mitgebracht”. Das lag zwischen ein paar Kleidungsstücken, aber wenigstens in einer Plastiktüte. Dann tauchten auch schon die weiteren Militärs auf und begrüßten mich. Darunter auch eine Frau in Uniform mit hohem militärischem Rang. Sie ist für die Außenposten zuständig und macht sporadisch nicht angekündigte Besuche, um zu schauen wie das Camp geführt wird. Schließlich gehe ich mit Casimiro doch noch auf meine Missionsstation hoch. Ich will ihm einen Kaffee anbieten,  aber er ist wie immer sehr in  Eile. Wenigstens setzt er sich für ein paar Minuten. “ Ich will nun noch einen Besuch in der Kirche machen”, so Casimiro. Immerhin war er ja mein Vorgänger in dieser Hochlandpfarrei gewesen und fühlt sich noch sehr mit der Gegend verbunden. Danach brausen wir wieder zum Militärcamp runter. Casimiro will als Militärgeistlicher wenigstens ein kurzes Gebet mit den Soldaten sprechen. Wir stehen im Innenhof, ziemlich kalt, aber zum Gebet nehme ich normalerweise meine Mütze ab und so bin ich froh, dass es Casimiro kurz macht, denn bei der bissigen Kälte ist es ohne Kopfbedeckung nicht gerade angenehm. Casimiro verteilt noch Heiligenbildchen und dann geht’s schon weiter. “ Wollt Ihr nicht hier übernachten und dann morgen früh nach Quetena weiterfahren?” meinte ich. Aber sie haben keine Zeit.

Ich werde vom Kommandeur des Camps zum Abendessen eingeladen und begebe mich anschließend zur Missionsstation hoch. Es ist gerade Zeit zum Läuten der Glocken für die Abendmesse. Da ertönt auch schon das Handy. Unbekannte Nummer wird im Display angezeigt. Normalerweise nehme ich da nicht ab, aber irgendwie mache ich eine Ausnahme und siehe an, die Stimme Casimiros ertönt. Sie überschlägt sich fast:” Wir haben uns festgefahren, ganz nahe von San Pablo. Komm mit ein paar Soldaten und ein einem Abschleppseil”, so Casimiro. “Aber wo seid Ihr genau?” Casimiro kann mir keine genauen Angaben machen. Also springe ich schnell zum Camp runter und mobilisiere die Soldaten. Zu Sechst fahren wir in meinem Jeep Richtung Quetena. Doch wir sehen weit und breit keinen festgefahrenen Jeep. Ich gebe dem Kommandeur mein Handy, um Casimiro anzurufen. Doch im selben Moment klingelt das Telefon schon. Casimiro ist wieder am Apparat. Wir sind auf der anderen Seite des Flusses auf der neuen Strasse. Diese ist aber noch nicht für den Verkehr freigegeben. Ich mache eine Kehrtwende und fahre Richtung Brücke. Dort blinkt dann auch schon ein  Jeep. “ Das sind sie”, meint einer der Soldaten. “Alles o.k.”, so die Militares. “ Wir haben den Jeep gerade noch einmal flott bekommen”. Wir verabschieden uns und ich hoffe, dass sie zu später Stunde noch gut nach Quetena kommen werden. So geht’s eben in unseren Breiten, wenn man alles überstürzt machen will.

13.Juli: Am Abend ruft mich ganz aufgeregt P. Casimiro aus Quetena an. Nach bald 20 Stunden sind sie erst in der Außenstation gelandet, eine Strecke die man normalerweise in fünf Stunden zurücklegt. Der Jeep hätte gestreikt und die Strasse sei in einem sehr schlechten Zustand gewesen. “ Bitte besorge mir für die Rückfahrt 4 Liter Oel für den Dieselmotor”, so Casimiro. Woher in unseren Breiten aber Dieselöl nehmen? Ich gehe runter zum Kommandierenden des PMA und lasse ihm die Nachricht zukommen. Vielleicht kann er Dieselöl besorgen.

Sonntag, 14. Juli: Wieder ruft Casimiro an. Ich kann ihm kurz vor meiner Fahrt zur Außenstation noch mitteilen, dass ich den Kommandierenden des PMA beauftragt habe, nach Dieselöl Ausschau zu halten, worüber sich Casimiro sehr freut.

Er will gegen 13. 00 Uhr in Rio San Pablo eintreffen, wo ich meinen Außendienst habe.

Ich bin bis gegen 16.00 Uhr in Rio, aber da tauchte kein Casimiro auf. Erst am nächsten Tag erfahre ich von unserem Hospital, dass er spät aufgetaucht sei, aber wie immer in Eile. Keiner wusste Bescheid, was los war.

Montag, 15. Juli: Ich traue meinen Augen nicht bei meinem morgendlichen Rundgang. Über ganz San Pablo ziehen sich Staubwolken hin. Die Straßenbaufirma fährt mit Kippern über die Piste, um Schotter für den Straßenbelag abzuladen. Mit unseren beiden Ärzten sind wir uns einig, dass solch ein Staub unzumutbar sei. Man könnte ja auch aus Tankwagen Wasser über die Piste spritzen. Wie aber wird es erst mal mit dem Staub sein, wenn die internationale Strasse freigegeben wird und stündlich viele LKW s an unserem Dorf vorbeifahren? Schon seit längerer Zeit habe ich dafür plädiert, diese Strasse weitab des Dorfes zu verlegen, aber unsere Buerger wollten sie am liebsten noch durch den Dorfkern haben. Sie versprechen sich Einnahmen durch den Verkauf von Mittagessen an die Fahrer. So langsam werden sie aber einsehen müssen, dass sie sich da sehr getäuscht haben. Der Staub wird das Leben sehr beeinträchtigen und im schlimmsten Fall werden wir sogar an eine Verlegung des Dorfes denken müssen. Hoffentlich trifft dieser letzte Fall nicht ein.

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