Donnerstag, 29. August 2013

Wenn die Angehörigen um einen Gottesdienst bitten

Heute habe ich endlich Zeit, meinen Dipol für den Funk aufzuhängen. Es ist eine mühselige Prozedur, da ich den Kirchturm waghalsig nach oben klettern muss. Lediglich bis etwa zur Hälfte sind Leitern angebracht. Für den Rest muss man sich wie an einem Reck an zwei dicken Bohlen hochziehen, die von Fenster zu Fenster liegen, mit den Armen abstützen und dann die Beine mit Schwung auf den Fenstersims bringen, wo man dann  stehen kann. Da ein solcher Dipol natürlich auf Resonanz gebracht werden muss, die mathematische Formel für die Länge stimmt nur annähernd, musste ich etliche Male rauf- und runterklettern, um die Enden des Dipols jeweils um einige Zentimeter im Innenhof meiner Missionsstation zu verkürzen. Dann wurde der Dipol wieder hochgezogen, erneut musste ich runtersteigen und am RIG die Resonanz messen.

Plötzlich hörte ich ein kräftiges Poltern an der Türe. „Wer kommt denn zu dieser mittäglichen Stunde“, dachte ich mir? Es war Don Hector, der Sohn des Verstorbenen.

„ Pater, gut dass Du da bist“, so Don Hector. „ Könntest Du nicht um 15.00 Uhr die „misa de los ocho días“ lesen?“ Na ja, 15.00 Uhr wird etwas knapp, da ich mich noch vorher frisch machen möchte, aber gegen 15.30 Uhr wäre ich bereit. „Prima“, so Don Hector. „ Aber kommt mir bitte nicht eine Stunde später.“ „Nein, nein, ich werde alle Angehörigen rufen, sodass wir pünktlich anfangen können“ versicherte mir Don Hector. Es waren eigentlich noch nicht ocho días ( acht Tage ) nach dem Tod des Verstorbenen vergangen – es ist ein Brauch nach einer Woche ein Seelenamt zu lesen-, aber die Angehörigen wollen noch in dieser Nacht zurückfahren und so wurde die „misa de los ocho días“ einfach zwei Tage vorverlegt. Das sollte in der Tat kein Problem sein. Es ist doch etwas Schönes, wenn die Angehörigen um einen Gottesdienst bitten.
Pünktlich um 15.30 Uhr war die Kirche auch schon gut gefüllt.

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