Samstag, 18. November 2006

Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand

der heutige Samstag, den ich zumeist auf der Missionsstation in San Pablo de Lípez verbringe, ist morgens den Lesungen für den Sonntag gewidmet. Ich lese die zwei Lesungen und das Evangelium, meditiere das Wort Gottes und komme zu dem Schluss, dass uns die Lesungen des vorletzten Sonntags des Kirchenjahrs unweigerlich auf das einmal eintretende Ende all des irdischen Tuns vorbereiten wollen. "Sind wir uns dessen überhaupt so bewusst, frage ich mich?" Ja, wir wissen es, dass wir einmal sterben werden, dass es ein Ende der Welt geben wird, aber dringt das auch wirklich zu unserem Herz vor oder nimmt uns der Umtrieb in dieser Welt nicht doch zu sehr in Beschlag? Der Prophet Daniel sieht noch die Rettung derjenigen, die sich für Gerechtigkeit eingesetzt haben. Meine Gedanken, die ich immer für meine Leute auf einem Sonntagszettel schön säuberlich mit PC geschrieben und mit dem Drucker in 30 Exemplaren zusammen mit den Lesungen herausgebe, werden sehr gerne gelesen und deshalb betrachte ich es auch als eine pastorale Aufgabe, in diese Meditationen  Zeit zu investieren. Die Sonne und der Mond leuchten nicht mehr, so heißt es. Wir brauchen aber keine Angst vor diesem Tag zu haben, schreibe ich. Gott übersieht das Gute, das wir getan haben, nicht. Ja, wir haben doch noch Zeit, unserem Leben eine neue Wende zu geben, eine Wende hin zu IHM. Ich stelle Fragen auf dem Sonntagsblatt zur je eigenen Meditation und Reflexion. Haben wir uns um unsere Familie gekümmert, haben wir den Kranken nebenan besucht und ihm wieder Mut gemacht, sind wir für Gerechtigkeit eingetreten oder sind wir vielleicht wegen einiger Pesos einem politischen Wahlversprechen nachgelaufen, haben wir das Leben in all seinen Momenten immer respektiert oder vielleicht ein im Werden befindendes Leben "abgetrieben", weil es nicht ins Konzept passte, haben wir das Leben in SEINE Hand gegeben, haben wir gebetet und viele andere Fragen mehr. Ich meine, dass sich jeder vielleicht mit einer Frage angesprochen fühlt und so das Evangelium praktisch umsetzen kann. Der HERR ist langmütig und SEINE Kirche erinnert uns immer wieder daran, dass es an der Zeit ist, die Dinge ins richtige Lot zu bringen. Ich sage meinen  Leuten immer wieder, es soll mal niemand sagen können, das aber habe ich nicht gewusst, sonst hätte ich mich mehr für IHN eingesetzt.

Noch etwas ganz Irdisches: Gerade kommt die Köchin einer hier ansässigen Bergbaufirma und bringt mir eine Suppe und einen Hauptgang. Das ist in diesen Breiten schon erwähnenswert, wo man an manchen Tagen einfach froh ist, wenigstens eine Suppe auf dem Mittagstisch zu haben.

Und noch was ganz Irdisches: Um 15.00 Uhr bolivianischer Zeit werde ich mir die Nachrichten über die Deutsche Welle anhören und den anschließenden Sportreport. Obwohl unser Mannheimer Verein SV Waldhof schon seit bald zwanzig Jahren nicht mehr in der ersten Bundesliga spielt, verfolge ich doch noch immer das Geschehen. Die Oberligaergebnisse unserer beiden Mannheimer Vereine SVW und VfR schickt mir immer per Winlink Peter Kapraun, der selbst Jahre in Bolivien verbrachte.

Nach dem Gottesdienst schaute ich wie immer nach dem Kapellenbau. Er geht zügig voran. Die Pfeiler ragen schon aus dem Fundament hervor und an einer Seite ist auch schon die Wand mit den Lehmsteinen hochgezogen. Es macht Freude, diese Fortschritte zu sehen.

Noch etwas Erfreuliches erfuhr ich. Die Regierung zahlt rechtzeitig zum Schulende aus den Mehreinnahmen von Erdöl und Erdgas allen Grundschülern und das sind immerhin 1,2 Millionen, einen  Bonus von 20 Euro. Hoffen wir, dass ihn die Eltern richtig einzusetzen wissen. Ein schönes Weihnachtsgeschenk wäre sicherlich ganz gut angebracht.

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