Montag, 19. Januar 2009

Vier Stunden Marsch auf 3700 m

Gestern morgen kam mein neuer Mechaniker im Patrehaus vorbei, und ich konnte mit Don Moisès noch die ausstehenden Reparaturen am Jeep besprechen. Vieles war schon in Ordnung gebracht worden. Beispielsweise funktionieren die beiden Bremsen wieder bestens, nachdem die Bremshydraulik erneuert wurde. Zwei neue Reifen waren auch aufgezogen und sogar ausgewuchtet worden. Das macht sich dann doch schon bemerkbar, denn die Reifen werden nicht mehr so ungleichmäßig abgefahren. Die normalen Reifenwechsler, zu denen ich immer gegangen bin, haben natürlich die dafür erforderlichen Apparate nicht. Die Folgen zeigten sich dann an meinen ungleichmäßig abgefahrenen Reifen. Nun werden auch gleich die beiden Hinterreifen erneuert, denn bei meinen vielen Fahrten in die Andendörfer muss der Wagen schon in Ordnung sein.

Man kann da an anderen Dingen sparen, wie beispielsweise, dass ich auch bei Notfallplan B beim Abflug in Frankfurt nicht mit dem Taxi an den Mannheimer Hauptbahnhof gefahren wäre. Das wäre für einen Missionaren doch zu viel des Luxus. Aber zum guten Glück konnten wir ja mit Herrn Krolop wie in Plan A vorgesehen direkt vor dem Penny Markt abfahren, also nur etwa 50 Meter von der Wohnung entfernt.

Danach standen Erledigungen in La Paz an, wie beispielsweise das überweisen der Einnahmen für die Messintentionen, Taufen und Hochzeiten  für das Bischofsamt. Das geht recht simpel vor sich. Die Gelder kommen in eine Plastiktüte bei den Besuchen in den Dörfern der Anden. Wenn diese Tüte mal wieder voll ist, wird gezählt und dann 10 % dieser Einnahmen an den Bischof überwiesen, der ja auch von etwas leben muss. Allerdings schreibt die Bank den überweisenden Betrag lediglich gut, sodass ich den Einzahlungsbeleg dann kopieren, mit dem Betreff an den Bischof schicken muss. Immerhin bekam er von mir für die zurückliegenden neun Monate etwa 100 Euro.

Am Nachmittag war ich nochmals ganz oben im bergigen La Paz unterwegs. Ich kaufte mir für die bald einsetzenden eiskalten Wintermonate einen dicken Parker mit Federfüllung. Der Alte war nicht mehr gut dienlich, da der Reisverschluss kaputt ging und die Reparatur desselben sehr umständlich ist. Für 30 Euro konnte ich nach langem Suchen und über drei Stunden Marsch durch La Paz den Parker finden. Ich kenne nicht jede Ecke und jedes Geschäft in La Paz, habe aber doch eine gute Vorstellung, wo in etwa diese Dinge verkauft werden.

Südamerika hat eine andere Anordnung der Geschäftswelt. Nicht wie in Deutschland üblich verteilt man die wichtigsten Läden über einen Vorort, sondern ordnet sie nach Sparten an. Da findet man dann  eben in einem Eck Läden, die nur Lebensmittel verkaufen, in einer anderen Ecke werden Kleidungsstücke verkauft, dann reihen sich mal 10 Friseure in einer Straße nebeneinander. So wusste ich eben, dass in der Calle Buenos Aires an einer Kurve diese Parker verkauft werden. Weiter oben ist beispielsweise die Reeperbahn von La Paz und noch weiter oben reihen sich Automechaniker an Automechaniker, die alle Reparaturen am Straßenrand durchführen.

Mein Katechet übrigens hat sich bis dato noch nicht gemeldet, sodass ich wohl die 17 stündige Heimfahrt alleine antreten muss. Die Fahrt wäre normalerweise etwas kürzer, aber aufgrund der Regenschauer muss ich einen Umweg fahren, da die direkteren Wege ausschließlich über Naturstraßen führen. Heute Nachmittag um 13.30 Uhr bolivianischer Zeit werden wir auch via Kabel den Amtsantritt von Barak Obama mitverfolgen. Man setzt ja zu Recht große Erwartungen in ihn, aber als längjähriger Südamerikamissionar wäre es für mich natürlich auch keine Überraschung, wenn er doch nicht allzu viel zum Besseren hin bewegen könnte. Die Weltlage ist so zerfahren, dass es für jeden Präsidenten schwer ist, eine bessere Welt zu schaffen. Draußen regnet es. In Bolivien sind wir in der Regenzeit.

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