Freitag, 22. März 2013

Ein großer Tag für Argentinien

Auch in den Anden wartete man mit Spannung auf den Ausgang des Konklave. Wir hatten uns über Funk eine Liste mit etwa 12 Kardinälen angelegt, die evtl. zum Papst gewählt werden könnten. Ich ging in erster Linie davon aus, dass es ein recht junger Kardinal schaffen werde. Gegen 14.00 Uhr boliv. Zeit am 13. März 2013 lief unser Funk mit und ich schaltete auch zwischen Radio Exterior de España, Radio Nacional de Brasilia und Radio Exterior de Argentina hin und her. Plötzlich die Nachricht, dass italienische Fahnen geschwungen werden. Die Reporterin meinte, dann wird wohl Angelo Scola aus Mailand zum Papst gewählt worden sein. Dann boliv. Flaggen. Nein, unser Kardinal aus Santa Cruz ist doch zu sehr gesundheitlich nach zwei Herzoperationen angeschlagen, um gewählt worden zu sein. Erst dann wurde der lieben Reporterin klar, dass ja alle möglichen Flaggen zu sehen sind. Wer ist es nun denn? REE meinte, dass wir für jeden Papst gerüstet seien und Daten für jeden der 115 am Konklave teilnehmenden Kardinäle vor uns liegen haben. Die Brasilianer zeichneten ein farbenfreudiges Bild vom Treiben auf dem Petersplatz. Wie gut, dass es diese Radiosender über die Kurze Welle noch gibt, denn nicht alle Menschen haben ja Zugang zum Fernsehen. Alles wartete gespannt auf den neuen Papst. Jetzt wird er erscheinen, verkündete man. Aber es war noch nicht so weit. Plötzlich hörte ich den Namen Francisco und dann ging es ganz schnell. Der neue Papst kommt aus Argentinien, hieß es. Es ist der Erzbischof von Buenos Aires, der ja schon im letzten Konklave nur knapp hinter Josef Ratzinger gelegen haben soll. Erst abends sah ich die Bilder zusammen mit unserem Häuptling im Fernsehen. Beeindruckend das Italienisch von José Mario Bergoglio, dem neuen Papst Francisco. Ich gehe mal davon aus, dass er als Kind italienischer Einwanderer nach Argentinien das Italienisch mit seinen Eltern gepflegt haben muss. Noch mehr beeindruckte mich allerdings, dass er die große Schar der Menschen auf dem Petersplatz und die dank TV mit ihm verbunden waren, zum Gebet für sich aufrief. Genau darum geht es ja in jedem Pontifikat, dass wir in erster Linie uns unter SEINEN Willen stellen und versuchen, ihn der Menschheit sichtbar zu machen und umzusetzen.

Als Südamerikaner wird Papst Francisco, wie er hier genannt wird, Vieles in der Welt mit der Brille des Latino sehen und unsere Südamerikaner haben ja immer Überraschungen parat, die wir Europäer so nicht sofort sehen. Wir dürfen uns also auf ein spannendes Pontifikat freuen.

Als ich heute Morgen beim Gottesdienst zum 5. Fastensonntag nach dem Namen des neuen Papstes während der Gebete nach der Wandlung fragte - ich habe es hier eingeführt, dass die Gläubigen nicht zu lange nur den Gebeten des Priesters folgen müssen und deshalb den Namen des Papstes und des Bischofs mit vereinter Stimme verkünden dürfen- konnte mir nur ein kleines Mädchen aus der Grundschule den Namen nennen. Aber das wird sich sicher bald ändern. Alles braucht eben seine Zeit.

Viele Argentinier wollen bei der heutigen Einführungsmesse von Papst Francisco dabei sein. Über den Nuntius hörte man, dass man dieses Geld für den Flug lieber den Armen oder einem karitativen Zweck zu Gute kommen lassen sollte. Sicher auch ein Hinweis auf das Pontifikat von Papst Francisco, der ja selbst als Erzbischof von Buenos Aires meist mit dem Stadtbus oder der U Bahn fuhr. Man darf also auch gespannt sein, wie er sich zu seinen Auslandsreisen auf den Weg macht. Ich könnte mir vorstellen, das er sich ein Touristenticket kauft und die Fluggesellschaft für ein Upgrade zur Business  oder auch fierst Class aufkommt. Ein Papst als Fluggast zu haben, ist ja auch als Propaganda hervorragend geeignet. Unser neuer Erzbischof von der Hauptstadt Sucre meinte ganz in diesem Sinne, dass der Papst, wenn er auf dem Flug in seine Heimat sei, doch einen kleinen Zwischenstopp in Santa Cruz einlegen könnte. Vielleicht werden so die Papstreisen ablaufen, um in kurzer Zeit viele Länder besuchen zu können. Es ist und bleibt eben spannend mit einem Südamerikaner an der Spitze.

Nun muss ich aber schnell rüber in unser Schülerinternat, denn dort wird Brot gebacken. In den letzten Tagen haben wir wieder Grosseinkauf in Tupiza gemacht. Leider haben die Preise nochmals sehr angezogen.

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