Freitag, 13. September 2013

Kreuzerhöhungsfest

Am Morgen bin ich damit beschäftigt, die Texte für das morgige Kreuzerhöhungsfest zusammenzustellen. Mit Hilfe eines PC Programm bringe ich die Lesung und das Evangelium ins Word Programm. Anschließend schreibe ich einen Kommentar zum Text. Diese Texte werden morgen beim Fest in Oke Orco de Quillacas an die Gläubigen verteilt. Schade nur, dass mein Tintenstrahldrucker pro Patrone nur etwa 120 Kopien hergibt. Mit einem Laserdrucker wäre das Problem wohl gelöst, aber ich habe vor geraumer Zeit mal gelesen, dass dieses Laserpulver zum Drucken evtl. Krebs hervorrufen könnte, wenn der Druckraum nicht sehr gut belüftet ist. Also setze ich eben immer nach etwa 120 Kopien eine neue Patrone ein. Man könnte natürlich die alte Patrone auch aufbohren und dann mit einer Spritze Tinte nachfüllen, etwas kostengünstiger, aber hier bin ich ein gebranntes Kind. Vor ein paar Jahren löste sich die Nadel der Spritze beim Einfüllen der Tinte. Nach allen Seiten spritzte die schwarze Farbe. Solche Überraschungen will ich mir natürlich ersparen.

Unsre Nachrichten im  TV Kanal Red Uno berichten von enormen Überschwemmungen im US Bundesstaat Colorado. Autos wurden wie Spielzeuge von den Wassermassen mitgerissen. 

Nach dem Mittagessen, das ich in der Kantine unserer Straßenbaufirma einnehmen konnte, werfe ich noch einmal einen Blick in die Garage, um zu sehen ob mein hinterer Reifen des Jeeps wirklich die Luft hält. Ich bin mir nicht so genau sicher, meine sogar, dass der Reifen etwas Luft verloren hat. Was nun machen? Ich gehe mal durchs Dorf und siehe an, die Frau unseres Fahrers des Krankenwagens taucht auf. Ihr Mann sei zu Hause, sagt sie mir und sogleich mache ich mich auf den Weg zur Hütte von Don Juan. Don Juan kommt etwas verschlafen an das Gartentor. Aber er ist bereit, den Reifen zu flicken. Dabei ist zu beachten, dass der Reifenwechsel immer von mir selbst vorgenommen wird, aber das Flicken ist schon wesentlich schwieriger.  Ich hole den Jeep aus der Garage und parke ihn vor dem LKW von Don Juan. Don Juan steht schon im blauen Anton bereit. Seine Frau hat wegen der Kälte in der Fahrerkabine des LKW Platz genommen. Die Muttern am Rad sind schwer angezogen. Juan hält den Schraubenschlüssel und ich wippe mit meinem ganzen Körpergewicht auf dem Schlüssel, bis sich schließlich die Schraube löst. Das Ganze machen wir achtmal,  dann ist der Reifen locker. Don Juan legt sich unter den Jeep und bringt den Wagenheber an. Schnell hebt sich der Wagen. Das Rad wird abgenommen. Dann wird die Luft herausgelassen und mit einem Pickel schlägt Don Juan rings um die Felge, sodass sich das Gummi von der Felge löst. Dann wird die schwere Felge des Jeeps noch mit dem Fuß ein paar Mal angetreten, bis sie schließlich auf den Boden fällt. Der Schlauch wird nun entnommen. Don Juan betrachtet sich nach und nach ganz genau den Schlauch, in dem er ihn in seinem Arm dreht. „ Da, sieh her, ist ein winzig kleines Loch. Auch weiter nach unten ist der Schlauch schon etwas angekratzt.“ Dann schaut Don Juan in den Reifen und sieht winzige kleine Steinchen, die sich dort angesammelt haben. „ So arbeiten die Reifenflicker. Sie reinigen den Schlauch nicht vor dem Einsetzen in den Reifen“, sagt Don Juan etwas empört. Bei diesen Reifenflickern, die man in den Städten an fast jeder Ecke findet, werden die Schläuche einfach auf den sandigen Boden geworfen und nach dem Flicken wieder schnell eingesetzt ohne sie abzuwischen. Don Juan spuckt noch etwas auf das kleine Loch im Schlauch und man sieht dann Bläschen, die sich bilden. Zum guten Glück habe ich Flickmittel und Klebstoff. Don Juan raut die Stelle etwas mit Schmirgelpapier an, dann wird der spezielle Kleb aufgetragen und der Flicken aufgesetzt. Über einem glatten Stein klopft er den Flicken mit dem Kreuzschlüssel fest. Dann wird der Schlauch wieder eingesetzt. Nun kommt die große Erleichterung, denn Don Juan legt einen Schlauch zum Motor seines LKW und so wird der Reifen auf Druck 30 aufgepumpt. Ich habe dies schon mehrere Male mit einer Fahrradpumpe gemacht. 2.000-mal pumpen auf über 4.000 Metern Höhe, da bleibt einem dann in der Tat die Spucke weg. Ich gebe Don Juan drei Euros und er ist sehr erfreut darüber und ruft mir noch hinterher, dass ich jederzeit wiederkommen könne, wenn der Jeep Probleme macht. Nun, man muss froh sein, wenn man diese praktisch veranlagten Leute hat.

Um 21.30 klingelt noch das Handy. Es ist Katechet Policarpio Gutierrez, der mit seinem Moped eingetroffen ist und mich morgen nach Oke Orco de Quillacas begleiten wird.

P. Claus Braun 

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