Montag, 21. Oktober 2013

Kapelle als Garage

Wir fahren zum 47 Kilometer entfernten Bergdorf Viluyo. Etwa zwei Stunden Fahrzeit. Von der Hauptstraße biegen wir auf die vor einigen Jahren neu angelegte Straße zum Bergdorf ab. Allerdings haben die Regenschauer der vergangenen Jahre die Straße so in Mitleidenschaft gezogen, dass wir nur mit dem ersten und zweiten Gang vorankommen. Keinerlei Instandsetzung wurde vorgenommen. Im Bergdorf sitzt der Katechet vor einer Hütte. Ich begrüße ihn und schaue dann mal in der alten Kapelle vorbei.” Was ist denn da drinnen los”? frage ich Don Tadeo, den Katecheten. Ein Motorrad steht in der Kapelle und gegenüber eine riesige Rolle mit Plastikrohren fürs Wasser. “Wir hatten keinen Platz im Dorf dafür”, bemerkt Tadeo lapidar. “Wir können das Motorrad aber herausschieben”, so Tadeo. “Das hat überhaupt keinen Wert, denn nach der Messe werdet ihr es wohl wieder in die Kapelle stellen. Habt ihr denn keinerlei Respekt vor dem Gotteshaus? Nun machen wir den Gottesdienst im Schulhaus”, erkläre ich dem Katecheten und den Anwesenden.

Die drei Dorflehrer kehren den Schulraum aus und wir können den Gottesdienst in einem relativ angenehmen Raum feiern, der sogar in die Decke eingelassene Plastikfolien hat, so dass der Raum gut überschlagen ist. Viele Intentionen nehme ich auf, danach Katechese mit den Kleinen, warum wir die Messe feiern. Über 50 Teilnehmer habe ich vor mir. Als Thema haben wir das Evangelium vom reichen Gutsherrn, der soviel Getreide hat, dass er zusätzliche Silos bauen lässt und meint, er könne nun auf Jahre hinaus ein gemütliches, gutes Leben führen. Du Narr sagt ihm aber der HERR. Heute Nacht werde ich dir das Leben nehmen. So wird es einem jeden ergehen, der seinen Reichtum nur für sich gebrauchen will und nicht an den notleidenden Nächsten denkt. Die Kinder sind mit Begeisterung dabei und beantworten meine Fragen während der Predigt. Danach spricht der Katechet in Quechua zu den Gläubigen. Nach dem Gottesdienst werden wir zu den Schülern in den Speisesaal eingeladen. Zwei Teller Suppe gibt es.

P. Claus Braun 


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