Sonntag, 1. Dezember 2013

Advent in einem Andendorf

Schon beim letzten Gottesdienst hatte ich die Gläubigen auf den Brauch hingeweisen, im Advent einen Adventskranz zu basteln. Als ich etwa eine Stunde vor dem Gottesdienst im Andendorf ankam, war noch nichts gerichtet. Plötzlich tauchte der Lehrer mit einer Plastiktüte auf. Ich ging davon aus, dass er Grünzeug fuer den Adventskranz gesammelt hatte. Doch dann bat er, Draht zu suchen, der meist in unseren Dörfern herumliegt. Dieser wurde zu einem etwa 0,5 Meter grossen Kreis gebogen und dann zog der Lehrer zu unserer aller Überraschung eine gut zwei Meter lange grüne Girlande hervor, die um den Draht gewickelt wurde. Doch nicht genug. Auch die Lichterkette, die man für die Weihnachtsbäume benutzt, hatte er in der Tüte und wickelte sie um den nun schon grünen Adventskranz.
Dann mussten wir Stromzugang in der Kapelle suchen. Über der Kirchendecke liegen etliche Kabel herum. Der Katechet kam mit einer alten, sehr wackeligen Leiter, aber das hielt Lehrer Franz nicht ab, auf das Dach zu steigen, um die Leitungen anzuschließen. Isolierband war natürlich nicht aufzutreiben, aber auch das war kein Problem für unsere Latinos. Man suchte eine Plastiktüte und wickelte diese um die blanken Leitungsenden. Das Kabel reichte leider nicht zum Adventskranz vor dem Altar. Katechet Policarpio hatte aber noch ein paar Kabelreste in seiner Hütte und siehe an, der Adventskranz konnte erleuchtet werden. Unsere Leute sind eben erfinderisch.

Nach dem Mittagessen - es gab ein Ei und etwas Reis- begann die grosse Abschlussversammlung der Schule. Ich selbst nahm vier Stunden teil. Es ging um den Fortschritt der einzelnen Schüler und das neue pädagogische Lehrsystem, bei dem der Lehrer nicht mehr Alleinunterhalter ist, sondern die Schülerinnen und Schüler zum Forschen anregen soll.
Danach die Abrechnung der Lebensmittel und dann entzündete sich noch eine Polemik um den offiziellen Schulabschlusstag. Einige Eltern haben am Freitag in den Staedten die Abiturfeier ihrer Jugend, der Distriktsschuldirektor kündigte aber in einem Schreiben an, dass in den Andendörfern die Abschlusszeremonie des Schuljahres nicht vorverlegt werden dürfe. Auch hier fand man einen Kompromiss. Die Abschlussfeier wird wohl am vorgesehenen Tag stattfinnden, aber sehr früh und ganz kurz, sodass die Eltern noch in die Städte fahren können.

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P. Claus Braun
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